Die Geschichte der Nachhaltigkeit zum Greifen nah

Am vergangenen Samstag (29.09.12) trafen wir uns mit Revierförster Torsten Weinhardt am “Kickelhahnparkplatz” zwischen Ilmenau und Stützerbach, um den hiesigen Wald zu erkunden und nebenbei noch etwas über die Wurzeln der Nachhaltigkeit zu erfahren.

Was kaum jemand weiß: Der heutzutage viel strapazierte Begriff stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Die ersten, noch unsystematischen Überlegungen gehen bis ins 15./16. Jahrhundert zurück. Aufgrund des hohen Bedarfs an Holz (z.B. für Bauwerke u.v.m.) zur damaligen Zeit suchte man nach Lösungen, diesen zu decken. Um die Problematik anschaulich zu verdeutlichen, begab sich Förster Weinhardt gemeinsam mit uns auf eine gedankliche Reise durch Italien, England, Frankreich und Deutschland. Dabei wanderten wir vom Jagdhaus Gabelbach Richtung Kickelhahn und bogen schließlich links in Richtung des Großen Hermannsteins ab. Unterwegs erfuhren wir nicht nur interessante Details zur Entwicklung der nachhaltigen Forstbewirtschaftung, sondern auch zur Entstehung der Trinkwasseranlage für das Hotel Gabelbach, den scheuen Thüringer Wildkatzen, den Baumarten am Kickelhahn und der versteckten Besucherzählanlage. Durch letztere weiß man, dass jährlich ca. 100.000 Wanderer den Ilmenauer Hausberg erklimmen.

Angekommen am Großen Hermannstein erzählte uns der Förster wie Herzogin Anna Amalia 1758 den Wild- und Forstmeister Carl Christoph Oettelt mit der Bestandsaufnahme der Wälder und der mathematischen Forstberechnung beauftragte. Durch die starke Übernutzung der Wälder im 18. Jahrhundert war ein Umdenken in der Forstwirtschaft unausweichlich. Ziel der Berechnungen war es, dem Wald nur soviel Holz zu entnehmen, wie auf natürlichem Wege nachwachsen kann. Damit war der Grundstein des Nachhaltigkeitsgedankens gelegt. Bemerkenswert ist, dass Wildmeister Oettels Berechnungen bis ins Jahr 2025 reichen und damit bis heute Gültigkeit besitzen.

Mehr zur Geschichte der Nachhaltigkeit kann man ab dem 14. Oktober im Museum Jagdhaus Gabelbach erfahren. Dann öffnet die neue Dauerausstellung “Der Kickelhahn – Goethes Wald im Wandel” ihre Tore für interessierte Besucher.

Der gemeinsame Ausflug war nicht nur sehr lehrreich; wir hatten auch tolles Herbstwetter und konnten die phänomenale Aussicht vom Hermannstein genießen. Vielen Dank an Torsten Weinhardt!!! Wir waren – nein SIND alle hellauf begeistert!

Foto: Martin Zielinski

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